Landtagswahl: Im Osten haben Oberlehrer einen schlechten Stand

erstellt am: 05.09.2016 | von: karim | Kategorie(n): Gesellschaft

Mit Schießbefehlen kennt sich nicht nur Frauke Petry aus, das können auch die Demokratieverachter von der linken Seite, wenn es darum geht, den AfD-Wählern ihr Verständnis von Demokratie vor den Bug zu knallen. Diese lassen sich davon nicht beeindrucken, manche fühlen sich womöglich angestachelt und wählen erst recht die „Rechtspopulisten“. Ich frage mich derweil, warum selbst die zur Neutralität verpflichteten Öffentlich-Rechtlichen bei der AfD nicht ohne das Attribut „rechtspopulistisch“ auskommen, wo doch die Linke im Osten genau das Extrem von der anderen Seite ist, nämlich „linkspopulistisch“. Das sind die kleinen Feinheiten, die selbst der vermeintlich dumme AfD-Wähler versteht.

Nun hat die AfD in Mecklenburg-Vorpommern also 20,8% der Stimmen geholt. Da halfen auch das Gepoltere nicht und die Appelle, nur die dümmsten Kälber wählten ihre Metzger selber. Kein Wunder: Schließlich ist auch das ja ein überheblicher Diskurs, von oben nach unten, von den politisch Weisen zum dummen Mecklenburger Pöbel. Klar, dass das zu entsprechenden Reaktionen führt.

Wählerverachtung rächt sich

Der Erfolg der AfD fußt auf zwei Dingen:

  1. Der Themenkomplex Flüchtlinge, Integration, Islam wird von allen Parteien in einer Weise behandelt, als wären Zweifel nicht berechtigt. Am „Wir schaffen das!“ hält das gesamte etablierte Parteienspektrum fest, als hätte Erich Honecker auf Widerspruch mit Kerker gedroht. Wer mit diesem Diskurs nicht zufrieden ist, hat nur eine aussichtsreiche Möglichkeit: Die AfD.
  2. Die Wählerverachtung erreichte beim Umgang mit der AfD ihr Maximum. Der Diskurs kommt entweder belehrend von oben, als spräche man mit hirnlosen Vollidioten, oder er beschränkte sich komplett auf die Diffamierung des vermeintlich dummen AfD-Wählers.

Beides sind klare Signale an die Wähler, dass sie keine Rolle spielen. Zudem waren viele Medien bei der Flüchtlingskrise zu sehr auf Regierungskurs. Sie begriffen die Berichterstattung als Bekehrung zum Refugee-Welcome-Konsens und brachten überwiegend positive Nachrichten über die Flüchtlingspolitik. Wer in das gleiche Horn bläst, muss sich die Frage gefallen lassen, ob es ihm nicht eigentlich nur darum geht, sich auf Kosten des Dialogs möglichst laut vom politischen Gegner abzugrenzen? Hinzu kommt, dass die Menschen in der ehemaligen DDR möglicherweise ein feineres Gespür dafür haben, wenn ihnen Meinungen von der Polit- und Medienelite aufgezwungen werden. Im Osten haben Oberlehrer historisch bedingt einen schlechten Stand.

Was man bei den Grünen mitunter vom Wählerwillen hält, zeigt übrigens Daniel Mack, der zum Wahlergebnis in Mecklenburg-Vorpommern bei Twitter schrieb: „#MecklenburgVorpommern, das am dümmsten besiedelte Bundesland. #AfD“. Das ist natürlich ein super Wortwitz, wenn man mit dem Glas Rotwein in der Hand in seiner schönen Charlottenburger Wohnung sitzt und früher ganz gut vom dummen Wahlvieh lebte. Aber so sind sie halt, die bürgernahen, weltgewandten Hohepriester der Toleranz und Offenheit.

Jetzt nur die richtigen Schlüsse ziehen

Aller Voraussicht nach geht die AfD jetzt also als stärkste Fraktion in die Opposition. Interessant: Von fast jeder Partei wanderten Wähler zur AfD ab. Das sind die Wähler, die die etablierten Parteien verloren haben, weil sie nicht nah genug an den Bürgerinteressen waren. Der größte Zustrom kommt allerdings von den Nichtwählern. Die Wahlbeteiligung in Mecklenburg-Vorpommern ist um rund zehn Prozent gestiegen, von 51% auf 61%. Die AfD schafft es also denjenigen das Gefühl der politischen Teilhabe wiederzugeben, die es im teilweisen Einheitsbrei der übrigen Parteien verloren hatten. Wenn das Gefühl anhält, mit der Stimme etwas bewegen zu können, und die anderen Parteien dies durch mehr Wälhernähe befördern, könnten sie am Ende sogar selbst davon profitieren.

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