Dortmund: Kein Abdel-Samad, dafür Nazis und Islamisten

erstellt am: 19.09.2016 | von: karim | Kategorie(n): Gesellschaft, Islam

Ich lebe in einer Stadt, die zwanghaft darum bemüht ist, jedem ihre Weltoffenheit aufs Auge zu drücken. Dieses Jahr hat man in Dortmund gar ein ganzes Stadtfest mit dem peinlichen Namen „DORTBUNT!“ organisiert. Motto: Eine Stadt. Viele Gesichter. Ich fand das eher provinziell, aber man braucht das hier, schließlich gibt es eine aktive Naziszene, die mit ihrem Dung regelmäßig Gebrauch vom Demonstrationsrecht macht. Das ist schade, aber das Versammlungsrecht ist nun einmal ein hohes Gut und immerhin haben die Jungsozialisten dadurch ausreichend Gelegenheit, Arbeiterlieder zu singen, bevor es am nächsten Morgen wieder an die Uni geht.

Mit der Weltoffenheit ist es aber so eine Sache. Weltoffen sind ja gemeinhin Menschen, die ihre Vorurteile regelmäßig einem Test unterziehen und sich nicht vor Kritik scheuen. Wer sein Weltbild nicht regelmäßig hinterfragt, hat es schwer mit der Weltoffenheit. Die Antifa weiß das. Leider schießt man mit dem Kampf für diese Weltoffenheit gelegentlich über das Ziel hinaus. Zum Beispiel gehört es zur Weltoffenheit der Stadt Dortmund, dass Hamed Abdel-Samad kurzfristig von einer städtischen Veranstaltung ausgeladen wird. Am 23. September sollte er im Dietrich-Keuning-Haus in der Nordstadt bei der Diskussionsreihe „Talk im DKH“ auftreten, die vom Dortmunder Politikwissenschaftler Prof. Aladin El-Mafaalani moderiert wird. Gäste der Veranstaltungsreihe waren unter anderem bereits Lamya Kaddor und Prof. Christoph Butterwegge. Offiziell wurde die Veranstaltung aus organisatorischen Gründen abgesagt. Kurz war auch von Sicherheitsaspekten die Rede, was Abdel-Samad verneint, da für seine Sicherheit das BKA zuständig sei. Er selbst erklärt auf seiner Facebookseite, er gehe angesichts der vagen Gründe von einer politisch motivierten Absage aus. Interessant: Bereits vor zwei Jahren wurde eine Veranstaltung mit ihm bei der Dortmunder CDU abgesagt. Damals wurde die Raumbuchung durch den Dortmunder Integrationsrat zwei Tage vor der geplanten Veranstaltung storniert. Auf der Webseite der Veranstaltung vom 23. September steht nun, das DKH bemühe sich, die Veranstaltung zu einem späteren Zeitpunkt anzubieten. Ob er dann kommen darf?

Der intolerante Kampf gegen die Intoleranz

Die Dortmunder Nazis scheinen die Stadt so sehr vor sich herzutreiben, dass man panisch nach allem schlägt, was nicht dem linken Klischee von Weltoffenheit entspricht. Abdel-Samads Vergehen besteht ja bekanntermaßen darin, auch mit Menschen von der AfD zu sprechen. Was er dabei Skandalöses vom Stapel lässt, kann man sich auf Youtube ansehen. Aber auch sonst ist man in Dortmund stets bemüht, die Weltoffenheit zu fördern, indem man der Toleranz klare Grenzen setzt. 2014 wurde beispielsweise die stellvertretende Bezirksbürgermeisterin von Dortmund-Nord, Gerda Horitzky (CDU) abgewählt, weil sie sich in einem Leserbrief an die Ruhrnachrichten unglücklich über die islamische Monokultur in der Nordstadt äußerte. Sie schrieb: „Ich als Nordstädterin würde im Krankheitsfall ins St.-Johannes-Hospital gehen, um mal eine Zeit ohne Kopftücher zu erleben.“ Es ging um eine Mitarbeiterin des katholischen Krankenhauses, der aufgrund ihres Kopftuchs gekündigt wurde. Soweit der Kontext.

Ein anderes Opfer des intoleranten Kampfes gegen die Intoleranz ist der Lehrer Dr. Daniel Krause, der sich gegen Islamismus engagiert und in diesem Zusammenhang 2012 bei einer Demonstration der Partei Pro-NRW sprach. (Das ist die Partei, dessen Vorsitzender vor einigen Jahren nur knapp einem islamistischen Mordanschlag entging, was niemanden so recht interessierte) Die skandalöse Rede von Daniel Krause kann man sich hier anhören. Als linker, herrschaftskritischer Aktivist stieß Krause im linken Milieu mit seinem Engagement gegen Islamismus zunehmend auf feindliche Reaktionen. Die Quittung für den Auftritt bei Pro-NRW: Das Dortmunder Stadtgymnasium stellte den Lehrer vom Dienst frei, musste diese Entscheidung letztlich aber zurücknehmen. Drei Jahre später disqualifizierte der engagierte Aktivist sich leider selbst, als er in einem Radiointerview sagte, dass ihn die Massentierhaltung emotional mehr berühre als Auschwitz. Schade.

Pierre Vogel, billiger Rosé und salafistische Bückerei in der Dortmunder Innenstadt

Eines aber hat Daniel Krause den selbternannten Wächtern der weltoffenen Gesellschaft in Dortmund voraus: Seine Weltoffenheit endet nicht beim Kampf gegen die Dorstfelder Nazis und ihre völkische Idiotie. Ich erinnere mich an einen Auftritt von Pierre Vogel mit seinem Terror-Kumpel Sven Lau in der Dortmunder Innenstadt, den ich mit einer Freundin und einer billigen Flasche Rosé besuchte. Ich dachte mir: Da müssen wir hin und ein Zeichen für die Dortmunder Trinkkultur setzen, denn was wäre das Ruhrgebiet ohne den ordentlichen Suff am Vormittag? Außerdem wollte ich wissen, ob die Antifa auch da sein würde oder ob es bei Mama wieder Schokokuchen gibt. Gefunden habe ich einen muslimischen Mob, der gleich zu Anfang in Frauen und Männer getrennt wurde. Dann wurde viel Unsinn geredet und gebetet, wobei die Frauen den Männern zum Bücken natürlich Platz zu machen hatten. Als man den Islamhörigen dann erzählte, dass sich Juden nach dem Pissen wenigstens die Hände waschen, was bei Christen ja nicht der Fall sei, war ich endgültig raus aus der Nummer.

Neben Daniel Krause gab es nur einen mickrigen Protest gegen diesen Angriff auf das weltoffene Dortmund: Die PARTEI war da und machte sich lustig, ein Mitglied der Nordstadt-Linken, die für die Abwahl der stellvertretenden Bezirksbürgermeisterin Gerda Horitzky gestimmt hatten, und einige wenige gesittete Gegendemonstranten mit Plakaten beobachteten andächtig die Landnahme durch Islamisten. Von der Dortmunder Politelite, die die Buntheit der Stadt so gerne in die Welt hinausposaunt, war keine Spur.

Wer sich von der Weltoffenheit und Toleranz in der gehypten Dortmunder Nordstadt überzeugen möchte, kann sich in diesem Video ansehen, was der freundliche Gemüsehändler von nebenan so von salafistischen Predigern hält. Vielleicht will man aber auch einfach nur mal mit einem berühmten Menschen vor die Kamera, ich weiß es nicht. Jedenfalls ist Pierre Vogel auf der Münsterstraße inscha’allah immer gern gesehen. Salafismus ist im weltoffenen Dortmund also kein Problem, das freut die Nazis, denn die finden ausreichend Gelegenheit, dieses Thema mit ihrer völkischen Ideologie zu vereinnahmen.

Über politkorrekte Schnappatmung freuen sich nur Nazis und Islamisten

Übrigens ist der Moderator der Veranstaltungsreihe „Talk im DKH“, Prof. Aladin El-Mafaalani, keineswegs für extreme Positionen bekannt. Es ist doch reichlich unwahrscheinlich, dass der Abend mit Hamed Abdel-Samad zu einer Pöbelrunde verkommen wäre. Und selbst wenn: In einer Stadt, in der Salafisten neue Anhänger für den syrischen Völkermord in der Fußgängerzone anwerben können und Pierre Vogel mir in der Innenstadt erzählen darf, dass sich Christen nach dem Pissen nicht die Hände waschen, sollte  auch einen Abdel-Samad aushalten. Vor allem lassen sich die wirklich Radikalen von solchen kleinlichen Repressionen nicht beeindrucken. Sie ziehen ihr Ding durch, während sich die Gemäßigten durch solche feigen Absagen der Dortmunder Politelite wunderbar unterdrücken lassen.

Kommentar schreiben

Kommentar